Freitag, 19. Juli 2013

                                                Anerkennung in Deutschland


Als ich Ende April aus Addis Abeba zurückkehrte, hatte ich im Mai sieben Lesungen. Ich war eingeladen von der Amnesty Hochschulgruppe Berlin und vom Bundespolizei aus- und fortbildungenzentrum Oerlenbach in Unterfranken. Ich stellte mein Buch beim "Heidelberger Kreis" in Heidelberg vor. Und ich war mit meiner Co-Autorin Marianne Moesle in Friedberg (Hessen) und beim Sommerblut-Festival in Köln. In Stuttgart hatte ich eine Lesung bei der demokratischen eritreischen Community und in Krefeld bei der Volkshochschule.
Vergangenen Sonntagmittag war ich mit Marianne Moesle zur Buchlesung in der wunderschönen Galerie Nelly 5 in Aschaffenburg.



Im August 2011 ist unser Buch "Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn" erschienen. Seitdem wurde ich im gesamten Bundesgebiet zu etwa 30 Buchvorstellungen und -lesungen eingeladen. Oft gemeinsam mit Marianne Moesle. Es waren wunderbare Veranstaltungen. Marianne und ich erhielten sehr viel aufrichtige Anerkennung und Wertschätzung. Viele Menschen interessieren sich für meine Fluchtgeschichte und das Buch. In Deutschland leben viele sozial-engagierte Menschen. Deutschland ist ein Land mit vielen guten Menschen.

Zekarias Kebraeb
Deutschlandstiftung Integration

Freitag, 31. Mai 2013

                                             Diskriminierung ist gegen Integration

Der zug ist voll und fährt mit den Fahrgästen. Die Fahrtgäste sind nicht alle Deutsche. Im Zug sind Menschen aus verschiedenen Ländern. Jeder hat den gleichen Tarif bezahlt, aber sie sind nicht alle gleich.
Die Polizei sucht regelmäßig illegale Einwanderer im Zug. Um ihre Aufgabe zu machen, müssen die Polizisten zuerst Menschen mit anderer Hautfarbe kontrolliren.




Fall 1
Ich wollte vor ca. 3 Jahren von Nürnberg nach Frankfurt/Main fahren. Ich spreche deutsch und habe gedacht, Deutschland ist meine zweite Heimat. Als ich mit dem Zug Würzburg erreichte, kamen zwei Polizisten auf mich zu und wollten nur mich kontrollieren. weil ich nur die einzige dunkelhautige Person im Zug war. Das hat mich sehr geärgert und ich fragte mich, ob ich mich weiter integrieren soll oder nicht. Was ist, wenn ich Deutschland noch 50 Jahre lebe und die Polizei 50 jahre lang mich als illegaller Einwanderer kontrolliert? kann ich das aushalten?

Fall 2
Eine ältere deutsche Dame sitzt alleine im Bus. Ich wollte neben ihr sitzen. Aber die Frau war nicht glücklich. Sie hat ihre Tasche festgehalten. Sie hatte Angst. Sie dachte, dass ich ein Dieb bin.

Alle dunkelhautigen Menschen sind nicht Betrüger. Und alle Hellhautige Menschen sind keine Engel.
Alle Deutsche sind nicht fremdenfeindlich. Und alle Araber sind keine Terroristen.
Wir sind alle gleich.Wir haben alle eine Mutter. Und wir sterben auch alle.


Zekarias Kebraeb

Sonntag, 21. April 2013


                                          Eritrea stirbt aus

Ich war im Norden Äthiopiens. In einer äthiopischen Region, wo die Menschen meine Muttersprache Tigrigna sprechen und tausende eritreische Flüchtlinge leben. Es ist wie eine Flut. Aus Eritrea kommen Kinder, Frauen, junge Männer, ältere Damen und Herren  jeden Tag über die Grenze nach Äthiopien. Es ist sehr gefährlich, aber die Flüchtlinge haben keine andere Wahl. Sie müssen entscheiden, entweder Tod oder Leben. Wer aus Eritrea flüchtet, wird erschossen. Eritreische Soldaten haben die Pflicht,  auf Flüchtlinge zu schießen. Viele Kinder kommen ohne Eltern und viele Eltern kommen ohne ihre Kinder. Jeden Tag.
Ich habe viele Kinder gesehen, die sehr traumatisiert sind. Viele weinen, weil sie Heimweh haben. Ich habe auch viele Flüchtlinge getroffen, die nur zuhören, aber nicht sprechen. Viele werden in die USA geschickt,  damit sie dort besser leben können und sich dort integrieren. Das ist aber nicht die Lösung. 

Eritrea hat nur ca. 5 Millionen Einwohner. Fast 2 Millionen sind schon auf der Flucht. Und es geht weiter....
Wir sind überall nicht akzeptiert. Eritreer und Eritrea werden oft ignoriert. USA, EU, AU sehen Eritreer als Problem für ihre Länder und ihren Kontinent. Eritreer in Israel und in arabischen  Ländern leben wie Tiere und Sklaven. In Europa, besonders in Italien,  müssen wir auf der Straße leben. In Deutschland dürfen Eritreer oft nicht lernen und ihre Landkreise oft nicht verlassen. Sie sind gefangen ...
Dies wird aber eines Tages vorbei sein. Es wird  Geschichte sein. Wir müssen aber kämpfen, kämpfen für unsere Rechte.Wir haben ein Recht, in Freiheit zu leben. Die Welt gehört nicht nur dem Westen,  sondern auch  Eritrea und Afrika. Aber ich bin sehr enttäsucht, daß die Welt uns zuschaut.

Zekarias Kebraeb

Freitag, 5. April 2013

                                                 
                                                    Sechzig Tage in Äthiopien

Die ersten Tage waren so schwer. Viele Dinge konnte ich nicht akzeptieren.
Ich musste immer fragen: Warum muss das so sein? Ich dachte und überlegte wie ein Deutscher. Heute lebe ich wie ein Äthiopier. Nach sechzig Tagen ist das Leben in Äthiopien sehr angenehm. Ich habe zwei Monate intensiv für mein Studium gelernt und die Zulassungsprüfung bestanden. Ich darf ab September in Addis Abeba studieren.
 
Nächste Woche besuche ich ein eritreisches  Flüchtlingscamp im Norden Äthiopiens. Ich bin sehr gespannt. Ich werde eine Lesung auf Tigrigna machen und den Flüchtlingen über die gefährliche Flucht nach Europa berichten. Ich glaube es wird sehr emotional. Ich werde über mein Erlebnis mit den Flüchtlingen nächstes Mal schreiben........
 
Zekarias Kebraeb
Deutschlandstiftung Integration

Montag, 4. März 2013

                                         Mein Leben in Addis  

Alle Menschen sehen genau so aus wie ich. Sie sind schlank, gross und sie haben braune Hautfarbe. Wenn ich nicht selber erzähle,  woher ich komme, merkt man nicht,  daß ich Ausländer bin. Ich spreche sehr gut Amharisch. Ich kenne Äthiopien. Die Stadt ist sehr gross, sonnig, schmutzig und überall Baustellen. Die Regierung baut gerade viele Hochhäuser und Strassen. Viele Ausländer wandern nach Addis aus. Ich habe viele eritreische Flüchtlinge getroffen, einer von ihnen ist der Sohn meines Onkels.
Hier gibt es keine U- Bahn, Strassenbahn und keinen Zug. Es gibt nur große und kleine Busse. Auf der Straße sieht man oft nur junge Menschen unter 30. Die Mentalität ist total anders als in Deutschland. Sozialleben ist hier sehr wichtig. Meine Nachbarn sind hier wie meine Familie. Wenn ich zu spät nach Hause komme, machen sie sich Sorgen und wenn sie kochen, essen wir zusammen. Die Menschen sind sehr arm, aber sie haben eine unglaubliche Hoffnung und sie sind sehr glücklich. Musik spielt hier  eine große Rolle. Wenn man auf der Straße  zehn Minuten geht, man hört zehn Lieder. Depression und Einsamkeit ist hier undenkbar. Ich bin hier glücklich!!


Zekarias Kebraeb
Deutschlandstiftung Intergration